concert kritik auf www.orf.fm4.at by Boris Jordan

The Singer

I-Wolf

Derweil sieht man den leibhaftigen Adam Green mit einem merkwürdigen Hut auf dem Kopf etwas ziellos durch das Porgy schlendern – ob er wohl etwas getrunken hat? Und ein konzentrierter Wohlbekannter setzt sich auf der Bühne ans Piano, während neben ihm tatsächlich eine Harfe reingeschoben wird. Vorher kommt noch Host Klaus und beseitigt alle Unklarheiten: Das folgende Konzert ist eine Premiere, die akustische Live-Umsetzung von „Skull & Bones“, dem Zweiten von zwei soeben erschienenen Alben der Band Chain Reactions um Sofa Surfer Wolfgang Schögl a.k.a I-Wolf.

Es ist schön, ihn wiederzusehen – und nichts dabei wieder zu sehen, was er immer schon gemacht hat. Und es ist schön, dass jemand wie Wolfgang Schlögl, der seit Jahren mit Unermüdlichkeit die halbe Szene vor sich hertreibt, so spät noch seine Liebe zu etwas Unerwartetem entdecken kann. Dem Singen. „Ich wollte einfach wieder singen“, sagt er nach dem Konzert der Chain Reactions, „und das war weniger eine Erweckung als aus einer Not geboren, weil ich den Musikern die Sachen ja vorsingen musste, damit sie sie spielen können“. Und nun singt er. Es wäre nicht I- Wolf, hätte er das Ganze nicht mit Musik in großem Stil umrahmt, Musik von einer Riesenband mit zwei Gitarren, elektrischer Violine, drei MitsängerInnen, Notenständern, einer Harfe und einem Schlagzeuger mit Paukenschlegeln und Besen, die ganze Wucht und Professionalität, die man von seinen Soul-Strata-Projekten und den Sofa Surfers kennt – nur hier – dem Motto des Festivals entsprechend – akustisch umgesetzt. Am Anfang singt er alleine, eine Nummer der fast vergessenen Neunziger-Chanteuse Liz Phair, nach und nach betritt diese Fußballmannschaft von Band die Bühne und steigert den Gig leise spielend unmerklich nach und nach zu einem Big Sound, sodass man erst am Schluss merkt, wozu so viele MusikerInnen nötig gewesen sind. I –Wolf beherrscht die große Form und die intime Nuance gleichermaßen. Wenn er dieses Riesenprojekt gebraucht hat, um sich und uns zu beweisen, dass er das auch ohne Computer kann, ist das einmal mehr gelungen.