I-Wolf: Wolfstanz

23.05.2013 | 14:37 |  von Holger Fleischmann (Die Presse – Schaufenster)

In den Club – und wieder raus: neue Alben von I-Wolf.

„Burn us, Burn us“, singt Sängerin Briknie immer wieder in „It Will Burn Us“, einem harten, nervös pulsierenden Dancehall-Stück, dessen Bässe unbarmherzig in die Magengrube boxen. Gut zehn Jahre nach den ersten beiden Alben als I-Wolf hat das Soloprojekt des Wiener Musikers und Produzenten Wolfgang Schlögl auf „Flesh+Blood“ nichts an Intensität und Schärfe eingebüßt. Und an Variantenreichtum gewonnen: Seine tief im jamaikanischen Dub verwurzelten Grooves formt er mit Klängen, die bisweilen an (Free-)Jazz und Neue Musik denken lassen, zu oft zwingender Clubmusik im Niemandsland der Genres und Gefühle. Momente der Euphorie treffen auf jene der Überforderung und Ernüchterung. Dissonanzen und fein dosierte Lärmpartikel auf beseelten Gesang und wohlige Harmonien. Alles angetrieben von unterirdischen Bässen. Unterstützt wird Schlögl neben Briknie von den Sängerinnen Nomadee und Aisha sowie den Chainreactions, seiner aktuellen Band: Mia Zabelka und Matthias Jakisic an der E-Geige, dem Harfenisten Eduardo Rao, Eddie Siblik an Gitarre und Bass und Drummer Sixtus Preiss. Gemeinsam gelingen packende Songs wie das sonnige „For So Long“ oder „Exploitation Blues“, bei dem Raos perlende Harfe dem muskulösen Groove eine unerwartete Leichtigkeit verleiht. Die Zeile „Turn where your love is“ klingt im gleichnamigen Song, einem Höhepunkt des Albums, wie Aufforderung und Frage zugleich, wie Problem und Lösung. Und bringt so die Wirren von Liebe und (Seelen-)Leben, von denen „Flesh+Blood“ kündet, auf den Punkt.
(c) Beigestellt „Flesh + Blood“. I-Wolfs  Album mit „The Chainreactions“ (TCR).
„It Will Burn Us“. Schlögl, bekannt als Mitglied der Sofa Surfers, spricht viele musikalische Sprachen. Und betreibt so viele Projekte, dass selbst ein kleiner Ausschnitt davon abendfüllend ist. Etwa, als er 2011 im Wiener WUK u. a. den einst mit dem verstorbenen Hansi Lang betriebenen „Slow Club“ neben der Band „Paradies der Tiere“ oder „The Faraday Orchester“ präsentiert hat. Das zweite neue Album „Skull+Bones“ unterstreicht das: Darauf holt Schlögl die Arbeiten von „Flesh+Blood“ in reduzierter Form – oft nur mit Gitarre, Klavier und Schlagzeug –- aus dem Club. Das aufwühlende „It will burn us“ wird etwa zum schwebenden, in sich ruhenden „Brighter than the sun“: einer der Fälle, in denen sich die Stücke nicht nur ergänzen, sondern jeweils Eigenleben entwickeln. Ihre Livepremiere haben die beiden Alben, die ab sofort digital und ab 7. Juni auf CD erhältlich sind, am 25. 5. im WUK.

I-Wolf: „Flesh+Blood“ und „Skull+Bones“ (Seayou Records)