Theater Music

krieg und frieden 15. 4. 2010

Krieg und Frieden, Burgtheater Wien

theater basel 2007

Zones of My Exclusions
Ein Projekt von Pohle/Lehniger/Ubenauf/Ehlers (UA)
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Boatpeople Trailer

Produktion des Burgtheaters Wien, 2007
Kasino am Schwarzenbergplatz
regie: robert lehniger
starring: dietmar könig, lisa d
sound: wolgang schlögl

Schlechte Presse in der Wiener Zeitung:

Schauspielhaus: “1914. Eine Enthuellung”

Spannung durch Lautstaerke?

ein Name mag mitunter in Vergessenheit geraten sein, seine Tat wohl kaum: Am 28. Juni 1914 verübte eine Gruppe junger bosnischer Revolutionäre das geschichtsträchtige Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gemahlin Sophie. Als Hauptattentäter wurde Gavrilo Princip in Einzelhaft genommen, wobei die genauen Umstände des Mordanschlags bis heute ungeklärt sind. Dieser – in gewisser Weise – offenen, historischen Situation haben sich mit Aida Karic und Airan Berg zwei Menschen angenommen, die bereits mit der Produktion “Jerusalem, mon amour” ein Gespür für hochpolitsches Theater bewiesen haben. Im Zentrum der jüngsten Schauspielhaus-Premiere “1914. Eine Enthüllung” stehen die inneren Kämpfe des inhaftierten Attentäters, der im Angesichts des Todes mit den Stimmen der Opfer bzw. mit diversen kaiserlichen Familienmitgliedern konfrontiert wird. Über sechs von der Decke herabhängende Monitore entspinnt sich ein virtuell anmutender Dialog, der gleichzeitig eine Verdoppelung der (theatralen) Wirklichkeit bedeutet. Während sich das fünfköpfige Schauspieler-Ensemble (Barbara Horvath, Martina Spitzer, Nikolaus Benda, Werner Fritz, Christoph Künzler) innerhalb der zugbrückenartigen Bühnenkonstruktion (Bühne: Ralph Zeger) waghalsigen Regieanweisungen unterwirft, sorgt die vibrierende Klanginstallation von Wolfgang Schlögl für eine permanente akustische Irritation. Pulsierende Töne, die allerdings viel zu kontinuierlich eingesetzt werden, um in letzter Instanz nachhaltig Wirkung zu zeigen. Und eben diese Verwechslung von Lautstärke und Spannung raubt der Produktion jene Zwischentöne, die dem Thema zuträglich gewesen wären. “1914. Eine Enthüllung” folgt somit der historischen Vorlage in einer Hinsicht: Der Untertitel “Eine Enthüllung” bleibt eine offene Dimension, was nicht zuletzt auch auf die etwas konstruiert anmutende Textvorlage von Aida Karic zurückzuführen ist. Denn die Collage aus Originalzitaten (u. a. vom Gerichtspsychiater Martin Pappenheim) spiegelt zwar die ohnedies bekannte Situation, weiß aber hinsichtlich etwaiger neuer “Hör- und Sehwinkel” nichts hinzuzufügen. Fazit: Einer überaus imposanten Bühnenlösung steht auf inhaltlicher Ebene kein entsprechendes “Pendant” gegenüber, was wiederum die Darsteller zu ferngesteuerten Marionetten eines grausamen “Welttheaters” degradiert.